Brunello Cucinelli: „Die größte Opferrolle meines Lebens ist es, ständig auf Diät zu sein“

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Er sagt, seine größte Opferrolle sei es, ständig auf Diät zu sein. Und im nächsten Satz schwärmt er: Jeden Tag, den Gott uns schenkt, müsse man Pasta essen. Klingt widersprüchlich? Genau dieser liebevolle Kampf zwischen Genuss und Maß macht Brunello Cucinelli so faszinierend.

In Solomeo, seinem Dorf in Umbrien, dreht sich alles um Schönheit, Stoffe – und Essen. Nicht als Luxus, sondern als Lebensart. Was können Sie sich aus dieser Welt für Ihren eigenen Alltag mitnehmen? Mehr, als Sie denken.

Wer ist Brunello Cucinelli – und warum redet jeder über sein Essen?

Brunello Cucinelli ist weltweit bekannt für seine Kaschmir-Mode. Dezent, weich, teuer. In der Modebranche galt er lange als „König des Kaschmirs“.

Doch hinter den perfekt gestrickten Pullovern steht ein Mann, der fast noch mehr über Brot, Pasta und Olivenöl spricht als über Stoffe. Bei seinen Modenschauen stehen auf den Tischen nicht nur Lookbooks, sondern auch Biscotti, Crostata, Beeren und kleine Pizzen.

Wer dort sitzt, soll sich fühlen wie bei einer italienischen Mama am Tisch. Satt, gesehen, willkommen. Essen ist bei Cucinelli kein Beiwerk. Es ist Teil seiner Philosophie.

„Die größte Opferrolle meines Lebens ist es, ständig auf Diät zu sein“

Dieser Satz berührt, weil er so menschlich ist. Ein erfolgreicher Unternehmer, reich, mächtig, verehrt – und doch kämpft er mit demselben Thema wie viele von uns: Genießen, ohne zu übertreiben.

Er liebt Pasta, Brot, Süßes. Gleichzeitig weiß er, dass er aufpassen muss. Also lebt er in einer Art sanfter Selbstdisziplin. Er verzichtet ein bisschen, um weiter genießen zu können. Kennen Sie dieses Gefühl, wenn das Herz „Ja!“ sagt und die Waage „Bitte nicht“?

Cucinelli macht aus dieser Spannung kein Geheimnis. Er spricht offen darüber, fast mit einem Augenzwinkern. Und genau darin steckt ein kleiner Trost: Selbst der Mann, der im Paradies aus Olivenbäumen und Weinbergen lebt, muss manchmal „Nein“ sagen.

Solomeo: Wenn ein Dorf zum gedeckten Tisch wird

In Solomeo, seinem restaurierten Dorf in Umbrien, sehen Sie, wie eng für ihn Essen, Natur und Kultur verbunden sind. Er hat Weinberge angelegt, Olivenhaine, Obstgärten mit Pfirsichen, Birnen, Aprikosen und Nüssen.

Zwischen den Bäumen stehen Zypressen und Pinien, dazu Abgüsse antiker Statuen. Es wirkt wie eine Mischung aus römischer Villa und Bauernhof seiner Kindheit. Alles ist bewusst gestaltet, doch es bleibt warm und menschlich.

Diese Umgebung ist kein Luxusspielzeug. Es ist sein Versuch, eine Welt zu schaffen, in der Würde, Schönheit und Genuss zusammengehören. Essen ist hier nicht nur satt werden. Es ist Kulturpflege auf dem Teller.

Warum das Essen mit der Familie für ihn heilig ist

Für Brunello Cucinelli ist der Esstisch so wichtig wie das Nähatelier. Vielleicht sogar wichtiger. Er legt großen Wert darauf, mit seiner Frau, den Töchtern und den Enkeln zusammen zu essen.

Das Familienessen ist ein tägliches Ritual. Dort wird gelacht, diskutiert, gestritten und wieder versöhnt. Essen schafft Verbindung. Wer am gleichen Tisch sitzt, gehört zusammen.

Vielleicht kennen Sie es von früher: Die Geschichten der Eltern, der Duft von Tomatensoße, das Klirren der Gläser. Diese Erinnerungen tragen wir ein Leben lang. Cucinelli versucht, genau solche Momente bewusst zu bewahren.

Pasta jeden Tag – geht das überhaupt?

„Jeden Tag, den Gott uns schenkt, muss man Pasta essen.“ Dieser Satz klingt wie Musik für alle, die Nudeln lieben. Gleichzeitig fragt man sich sofort: Ist das nicht zu viel?

Die italienische Antwort ist erstaunlich einfach: Es kommt darauf an, wie und wieviel. In Umbrien gibt es oft kleine Portionen, gute Zutaten, viel Gemüse. Pasta ist dort kein Berg mit Sahnesoße. Eher ein liebevoller Teller, der glücklich macht, aber nicht erschlägt.

Wenn Cucinelli von Pasta spricht, meint er eigentlich etwas Tieferes: Jeden Tag ein kleines Ritual, das uns Freude macht. Etwas, auf das wir uns freuen. Etwas, das den Tag einrahmt.

So holen Sie sich ein Stück Cucinelli-Gefühl nach Hause

Sie müssen kein Dorf besitzen und auch kein Designer sein, um diese Lebensart zu spüren. Ein paar kleine Schritte reichen, um ein bisschen „Solomeo“ in Ihr Zuhause zu bringen.

  • 1. Ein fester Tischmoment: Legen Sie mindestens ein Essen am Tag fest, bei dem das Handy wegkommt.
  • 2. Kleine Portion, große Qualität: Lieber weniger essen, dafür gute Zutaten wählen.
  • 3. Schön anrichten: Einfache Speisen, aber mit Sorgfalt auf dem Teller.
  • 4. Reden, nicht nur essen: Nutzen Sie die Mahlzeit für echte Gespräche.

So wird aus dem Abendessen langsam ein Ritual. Kein Event, sondern ein leiser, aber stabiler Mittelpunkt im Alltag.

Eine einfache „Cucinelli-Pasta“ für zu Hause

Wenn Sie den Satz „Jeden Tag Pasta“ einmal praktisch ausprobieren möchten, hier ein schnelles, schlichtes Rezept im Geist Umbriens. Wenig Zutaten, viel Geschmack.

Zutaten (für 2 Personen)

  • 200 g Spaghetti oder Linguine
  • 3 EL natives Olivenöl extra
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 1 kleine rote Chilischote oder 1 Prise Chiliflocken
  • 30 g frisch geriebener Parmesan oder Pecorino
  • 1 Handvoll frische Petersilie, fein gehackt
  • Salz
  • eventuell etwas Zitronenabrieb von 1 unbehandelten Zitrone

Zubereitung

  • 1. Einen großen Topf mit Wasser aufsetzen, salzen, zum Kochen bringen. Pasta nach Packungsanleitung bissfest garen.
  • 2. Währenddessen Knoblauch schälen und sehr fein hacken. Chili entkernen und in feine Ringe schneiden.
  • 3. In einer Pfanne Olivenöl bei mittlerer Hitze erwärmen. Knoblauch und Chili kurz darin anschwitzen. Sie sollen duften, aber nicht bräunen.
  • 4. Eine kleine Kelle vom Nudelwasser (etwa 50 ml) in die Pfanne geben, umrühren.
  • 5. Pasta abgießen, sofort in die Pfanne geben und gut durchschwenken, bis alles glänzt und sich verbindet.
  • 6. Vom Herd nehmen, Käse und Petersilie unterheben. Wer möchte, gibt etwas Zitronenabrieb dazu.
  • 7. Abschmecken, auf zwei Teller verteilen, sofort servieren.

Das ist keine spektakuläre Sterneküche. Es ist ein schlichtes, ehrliches Gericht, das perfekt zu Cucinellis Idee passt: Einfach, schön, respektvoll mit den Zutaten umgehen.

Genuss ohne schlechtes Gewissen – geht das?

Brunello Cucinelli zeigt, dass Genuss und Maß sich nicht ausschließen müssen. Er liebt Essen, aber er kennt seine Grenzen. Er lebt in Fülle, aber er spricht offen über Verzicht.

Vielleicht ist genau das die moderne Kunst des Genießens: Nicht alles zu verbieten. Aber bewusst zu wählen. Weniger sinnlose Snacks, mehr echte Mahlzeiten. Weniger nebenbei, mehr am Tisch.

Sie müssen nicht jeden Tag Pasta essen. Doch vielleicht jeden Tag einen Moment schaffen, an dem Sie bewusst genießen. Ein Brot mit gutem Olivenöl. Ein Apfel aus der Region. Ein Glas Wein mit jemandem, der Ihnen wichtig ist.

Dann wird das Leben nicht leichter. Aber es schmeckt ein bisschen reicher. Und vielleicht fühlen auch Sie sich dann ein kleines bisschen wie in Solomeo, zwischen Olivenbäumen, Crostata und einem Teller Pasta, der genau richtig ist.

Florian Huber
Florian Huber

Ich habe in München Gastronomiemanagement studiert und zehn Jahre lang eine Landhausküche im Chiemgau geführt. Ich schreibe über regionale Küche, Genuss auf Reisen und wohnliche Essbereiche. Mich interessiert vor allem, wie Menschen zuhause wirklich essen.

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